Der Wandel des deutschen Arbeitsmarkts und der damit einhergehende Fachkräftemangel ist in aller Munde. Immer wieder werden in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen die bevorstehende Knappheit an Fachkräften und die Herausforderungen und Konsequenzen für Unternehmen angesprochen. Eine Studie des Prognos-Instituts sagt bis 2030 eine „Fachkräftelücke“ von etwa 5,2 Millionen Personen voraus. Davon ca. 2,4 Millionen in Jobs, welche eine akademische Bildung voraussetzen und etwa 600.000 Stellen für Geringqualifizierte. Bereits jetzt stellt für viele Unternehmen das Finden geeigneter Arbeitskräfte eine Herausforderung dar. Einer aktuellen Studie zufolge hatten in 2014 weltweit 36% der Unternehmen Schwierigkeiten offene Stellen zu besetzen. Mit 40% liegt Deutschland dabei sogar über dem globalen Durchschnitt. Die Zukunft des Arbeitsmarkts wird dabei von zwei wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt werden: Durch den demographischen Wandel und der Digitalen Transformation werden hochqualifizierte Mitarbeiter in Zukunft wesentlich begehrter und knapper als in der Vergangenheit sein. Um einer wirtschaftlichen Herausforderung dieser Größenordnung gerecht zu werden, sind vor allem Lösungsansätze auf politischer Ebene notwendig. Doch auch Unternehmen können und müssen diesen Entwicklungen mit Hilfe von modernen Ansätzen im Personalmanagement entgegenwirken.

Personalmanagement als Wettbewerbsvorteil

Bereits die Etablierung des englischen Begriffs „Human Resources“, kurz HR genannt, in Unternehmen zeigt, dass auch in Deutschland das Personal immer mehr als zentrale Unternehmensressource begriffen wird. Hier stellt sich nun die Frage, wie Unternehmen diese Ressource aufbauen und nachhaltig an sich binden können. Die dafür notwendigen Maßnahmen lassen sich in zwei grundlegende Kategorien untergliedern. Zum einen wird versucht, die Attraktivität als Arbeitgeber für den Gewinn neuer Mitarbeiter zu steigern. Zum anderen werden neu gewonnene und bereits vorhandene Mitarbeiter nachhaltig an das Unternehmen gebunden. Diese beiden strategischen Ziele lassen sich durch Maßnahmen, die in allen Unternehmensebenen durchgesetzt werden müssen, erreichen. Eine erste, als elementare Grundlage dienende Maßnahme ist, HR Themen die richtige Bedeutung im Unternehmen zuzuordnen. Die Einordnung des Personalmanagements auf oberster strategischer Ebene ist dabei eine zentrale Voraussetzung. Dies ist notwendig, da nachhaltige Personalentscheidungen nicht nur langfristig, sondern auch untrennbar mit anderen wichtigen Bereichen, wie der Markenbildung oder der strategischen Ausrichtung des Unternehmens, verknüpft sind. Ist diese Grundlage geschaffen, können die konkreten Maßnahmen für das Personalmanagement im Unternehmen implementiert werden.

Der Arbeitgeber als Marke

Eine zentrale Rolle, sowohl für die Gewinnung neuer Mitarbeiter, als auch die Mitarbeiterbindung, spielt das „Employer Branding“. Im modernen Markenverständnis von Unternehmen, sollte hierbei die Markenbildung ebenso und gleichermaßen gegenüber potenziellen Mitarbeitern geschehen. So wird nicht nur eine Identifikationsgrundlage für Mitarbeiter geschaffen, sondern auch eine Differenzierung zum Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt erzielt. Potenzielle Arbeitnehmer werden zur eigenen Zielgruppe des Unternehmens und in strategischen Entscheidungen und den Marketingaktivitäten konsequent berücksichtigt. Die so aufgebaute „Ressource Personal“ kann im nächsten Schritt nachhaltig und langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Ziel dabei ist es die Mitarbeiterfluktuation so gering wie möglich zu halten. Diese Bindung der Fachkräfte kann nicht nur einem Personalmangel entgegenwirken, sondern ebenso Wissen und Kompetenzen im Unternehmen ausbilden und weiterentwickeln. Neben einer starken „Employer Brand“ nehmen insbesondere flache Hierarchien, eine ausgeprägte Unternehmenskultur, vielseitige Förderangebote und flexible Arbeitsstrukturen eine immer wichtigere Rolle ein. Der Maßnahmenkatalog für ein erfolgreiches Personalmanagement ist vielfältig. Durch die Entwicklung hin zum Fachkräftemangel und der Digitalen Transformation, welche auch den Arbeitsmarkt immer transparenter werden lässt, gewinnt das Personalmanagement stetig an Relevanz. Maßnahmen auf strategischer und operativer Ebene müssen also gut durchdacht, parallel zu den Unternehmenszielen entwickelt und möglichst langfristig orientiert sein. Nur so kann ein Unternehmen nachhaltig einem Fachkräftemangel vorbeugen und einen zukünftigen Wettbewerbsvorteil sowohl auf dem Arbeitsmarkt, als auch in Bezug auf die Kunden erwirken.